Krueps beschreibt in diesem Eintrag ein Erlebnis das ihn und mich etwas nachdenklich gestimmt hat:
Mir ist das heute was passiert. Während ich im Auftrag im Rahmen meines Zivildienstes mit einer alten Dame einkaufen war, wurde der Akku meines iPhones leerer und leerer. Und irgendwann, wie es so ist, war es aus. Komplett. Rien ne va plus.Und ich war noch rund 2 Stunden vom zu Hause ankommen entfernt. 2 lange Stunden ohne iPhone, ohne Musik, ohne Twitter. Etc pp.
Den Rest des Posts könnt ihr ja selbst nachlesen. Im Prinzip schildert er dann wie verloren er sich ohne iPhone, ohne Twitter, ohne Facebook und vor allem ohne “Knopf im Ohr” fühlte. Aber bald begann er die Welt um sich herum wieder wahrzunehmen. Nun, eigentlich wollte ich nur einen Kommentar auf seinem Blog hinterlassen aber da dieser etwas auswucherte dachte ich mir ich schreibe vielleicht lieber einen eigenen Post dazu.
Wenn man so vernetzt aufgewachsen ist wie krueps und ich fällt es einem wohl wesentlich schwerer auf solche Selbstverständlichkeiten zu verzichten. Seit ich mein iPhone besitze wurde es das mir auch immer schlimmer. Ich lese Tweets im Bus, schreibe eMails im Laufen und renne dabei fast gegen Laternenpfosten obwohl ich die Mails auch zu Hause (oder im Moment im Hostel) bequem auf dem Laptop schreiben könnte. Wenn ich nur eine Minute auf den Bus warten muss zücke ich das iPhone und spiele eine Runde Bejeweled. Und ständig ist der Knopf im Ohr der mich mit Musik beschallt.
Ich glaube aber ein Tag ohne iPod/iPhone/Computer kann ziemlich erholsam sein. Das habe ich zuletzt gemerkt als ich zu Hause einfach mal den PC und den iPod links liegen gelassen habe, mein Kamerazeug geschnappt und in den Wald gegangen bin. Frische Luft, Vogelgezwitscher und weit und breit keine Menschenseele, kein Twitter, kein Facebook, keine Emails, kein Feedreader – nichts was ablenkt.
Allerdings würde ich das nicht jeden Tag machen wollen. Ein paar Stunden oder einen Tag aus dem Gewohnten ausbrechen kann sehr erholsam sein um ein wenig Energie zu tanken, ein wenig Zeit für sich selbst zu haben, nicht 24/7 berieselt zu werden.
Dennoch kommt jetzt mein aber: Nach dem erholsamen Waldausflug bin ich wieder an den PC um meine Bilder zu bearbeiten. Ich habe die Bilder auf Flickr hochgeladen um ein wenig Feedback zu bekommen. Informierte mich dank Twitter und Feedreader was so am Tag passiert ist. Der PC hat bei mir Zeitung oder TV schon längst als Informationsquelle Nummer 1 abgelöst.
Ich bin auf das Internet nicht angewiesen, ich könnte meine Bilder auch einfach so abspeichern aber es macht Spaß sie anderen zu zeigen und positive Reaktionen zu bekommen. Ich könnte meine Nachrichten auch einfach im TV schauen oder noch altmodischer: in der Zeitung lesen. Aber mit Internet ist das einfach bequemer.

Es ist nicht ganz richtig, dass du vernetzt aufgewachsen bist. Du hast durchaus eine Welt ohne Computer, Internet und ständiger Berieselung genossen. Eigentlich müsste deine Schwester, die 5 Jahre jünger ist als du, nach dieser Schlussfolgerung abhängiger davon sein. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und wenn man schon selbst merkt, dass man in der Richtung übertreibt, sollte man etwas dran ändern. Das Leben ist ohne ständige Berieselung viel schöner. Zumindest empfinden wir, die “analoge” Generation, das so.
Wir hatten in unserem 3-wöchigen Urlaub keine Zeitung, kein Fernsehen, kein Internet und waren nur über das Handy erreichbar, und stell dir vor, wir haben es überlebt, und es war sehr schön und erholsam.
Die modernen technischen Möglichkeiten nutzen zu können, ist schon toll, man darf sich aber nicht davon abhängig machen, sonst verpaßt man die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Und dazu gehört sicher nicht, z.B. bei Twitter zu lesen, daß irgendwer jetzt schlafen geht.